GBS: Tag 3 – Intensivstation

Ich wurde also auf die Intensivstation verlegt. Ich glaubte noch fest daran, dass es nur für eine Nacht sei und ich dann am nächsten Morgen wieder zurückverlegt werden würde.

Hier machte ich dann auch meine erste Erfahrung mit einem Lungenkraftmessgerät. Es bestand die Gefahr, dass auch die Kraft meiner Lunge so stark abnehmen könnte, dass ich ohne Beatmung nicht mehr selbstständig atmen und somit nicht mehr überleben könnte. Das Messgerät bestand aus einer Art durchsichtigem Behälter und einem Schlauch. Wenn man nun den kompletten Atemzug in den Schlauch bläst, wird in dem Behälter die Luft in Liter angezeigt, die sich in den Lungen befand. Wenn das Volumen über mehreren Messungen hinweg deutlich sinkt, dann führt kein Weg mehr an einer künstlichen Beatmung vorbei.

Meine Mutter startete noch den Versuch über Nacht bei mir bleiben zu können, was allerdings von den Ärzten verboten wurde. Klar gibt es im Krankenhaus regeln, aber trotzdem hätte da gerne ein Auge zugedrückt werden können, vor allem deshalb, weil sie selber als Krankenschwester eine Station im selben Haus leitet und somit einerseits vertrauenswürdig ist und sich andererseits mit den Abläufen im Krankenhaus auskennt und sich sogar Arbeitskleidung angezogen hätte.

 

Abgetrennt mit einer mobilen Trennwand lag im Bett neben mir eine beatmete, an einen zwischendurch piependen Monitor angeschlossene Person. So musste ich versuchen einzuschlafen, was sich allerdings als sehr schwierig gestaltete. Neben den mir unbekannten und nervös machenden Geräuschen meines Nachbarn, lag das Zimmer außerdem direkt vor dem Stationszimmer, vor welchem ein großer Bildschirm aufgebaut war, der alle Monitore der Station anzeigte und auch das Piepen, welches sich ansonsten nur auf die einzelnen Zimmer beschränkt hätte, wiedergab. Da die Türen überall offen standen, war die Lautstärke zum Einschlafen in meinem sowieso schon gestressten und ängstlichen Zustand ziemlich störend.

Schließlich habe ich von meinem Nachtpfleger ein kleines Set bestehend aus Schlafbrille und Ohropax bekommen und ein ganz kleines bisschen schlafen konnte ich dann doch noch.

 

Der nächste Morgen (Dienstag, 02.05.2017) startete mindestens genauso schlecht, wie der Abend zuvor aufgehört hatte.

Auf der Intensivstation kann nicht jeder ein und aus gehen, was an sich keine schlechte Sache ist. Am Eingang müssen sich Besucher an der Tür über eine Sprechanlage anmelden und solange warten, bis sie eingelassen werden, was allerdings zu teilweise längeren Wartezeiten für die Besucher führt. In meiner Situation war diese Regelung allerdings ziemlich unpassend, da mir jede Minute in der ich alleine war wie quälend lange Stunden vorkamen. Meine Eltern konnten so erst nach langem Warten zu mir kommen, obwohl sie schon sehr früh wieder im Krankenhaus waren.

Mein Blutkreislauf wurde ein weiteres Mal für einige Stunden an eine Maschine angebunden, damit eine weitere Immunadsorption durchgeführt und mein Blut von den bösen Antikörpern befreit werden konnte.

Meine Bewegungsmöglichkeiten, sowie meine Lungenkraft nahmen über den Tag immer weiter ab, was ziemlich deprimierend war. Auch gegessen und getrunken hatte ich den ganzen Tag nichts mehr, weshalb ich Infusionen für die Flüssigkeitszufuhr bekam. Am Abend mussten meine Eltern dann ein weiteres Mal ohne mich nachhause fahren, ich war wieder alleine mit den Monitor-Geräuschen aus der Umgebung und befand mich immer noch, für eine weitere Nacht, auf der Intensivstation.

Was in dieser Nacht noch geschah, konnte ich mir selbst in den schlimmsten Albträumen nicht vorstellen…

 


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Über mich

Maarten Hoffmeyer

Ich bin 19 Jahre alt, gehe in die 12. Klasse eines Gymnasiums und komme aus Osnabrück. Auf meinem Blog schreibe ich über vor allem Reisen, Dinge, die mich interessieren und über GBS, eine Krankheit, die ich hatte.

Zitat

»Jeder Tag könnte dein letzter sein – und wenn du irgendjemanden magst, sag es am besten gleich!«

– Cro