GBS: Von jetzt auf gleich

Angefangen hat alles am Montag, den 24.04.2017. Ich hatte meinen ersten Praktikumstag des zweiwöchigen Schülerpraktikums, als ich nach 4 Stunden kollabiere und von meinen Eltern frühzeitig abgeholt werden musste. Die darauffolgenden zwei Tage blieb ich mit Fieber zuhause. Den Rest der Woche (Donnerstag und Freitag) schleppte ich mich dann immer noch nicht 100%ig Fit mit eingeworfenem Ibuprofen zur „Arbeit“.
Am Samstag waren wir morgens von einer Nachbarin zum Frühstück eingeladen, wo es mir schon nicht mehr ganz gut ging. Meine Oberschenkel fühlten sich an als hätte ich dort leichten Muskelkater. Ich wollte allerdings unbedingt mit, weil ich sonst nicht weiter zu einem Treffen mit zwei Freundinnen hätte fahren können.
Nach dem Frühstück haben mich meine Eltern dann ein Stück weiter abgesetzt und ich traf mich mit den beiden. Nach relativ kurzer Zeit aber, habe ich meine Eltern angerufen, dass ich abgeholt werden wolle, da es mir nicht so gut gehe.
Der Muskelkater in den Beinen wurde immer heftiger und ich fühlte mich schwach, hatte mir aber nichts weiter dabei gedacht und es auf den Infekt der vergangenen Woche geschoben.
Am späten Nachmittag fingen dann langsam meine Füße und Hände an zu kribbeln, so als wären sie eingeschlafen. Man kann es sich gut wie kribbelnde Socken und Handschuhe vorstellen. Auch der Muskelkater in den Oberschenkeln nahm weiter zu, sodass ich schon verhältnismäßig früh ins Bett ging, um mich Auszuruhen.
Kurz vor Mitternacht wachte ich auf, da ich aufs Klo musste. Ich versuchte aufzustehen, hatte allerdings zu wenig Kraft in den Beinen und konnte nicht laufen. Nachdem ich meine Mutter panisch auf WhatsApp angeschrieben hatte, kam sie zu mir und half mir zur Toilette zu gehen. Das Socken- und Handschuhkribbeln war auch nicht besser geworden.
Wir beschlossen bis zum nächsten Morgen abzuwarten in der Hoffnung, dass es mir bis dahin besser gehen würde.

 


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4 thoughts on “GBS: Von jetzt auf gleich”

  1. Hallo Maarten,
    So wie du es beschreibst war es bei mir auch- die Anlässe und Orte natürlich anders, Einschätzung und Verlauf genau so.
    Ich hatte das Glück dass mich meine Ärztin sofort zur Neurologin schickte, die mich sofort weiter in die Notaufnahme.
    Die ansteigenden Lähmungen gingen dann schnell und heftig weiter, Tabletten musste ich z.b. mit dem Taschenmesser aus der Packung schälen, gehen und heben ging gar nicht mehr.
    Nachdem das Atemzentrum von Lähmung bedroht war, da es bis zum Solar Plexus Anstieg hatte ich dann der Immunglobolin Therapie zugestimmt, mit der dann auch die Wende im Krankheitsverlauf kam.
    Mir hattte die gute Betreuung offen und Ehrlichkeit der Ärzte und Pfleger sehr geholfen.
    Ich musste in der Reha wieder alles neu lernen, kann man sich gar nicht vorstellen dass man nicht mehr weiß wie z.b. Laufen/Gehen funktioniert.
    Ich hab dann hart trainiert und bin sehr schnell wieder in den Beruf eingestiegen um für mich eine Normalität hinzubekommen.
    Das ist nun bald 20 Jahre her, und nur wenige Freunde und Familie wissen davon.
    Ich wollte letztens mal herausbekommen wie ein Neurologe Einschätzt welche Spätfolgen aus ärztlicher Sicht festzustellen sind, und war erschrocken über die Äußerung „seien Sie doch froh dass sie so gut dabei weg gekommen sind, was soll ich denn da jetzt noch gucken“ das war mein erster Versuch mich nochmal mit der Krankheit auseinander zu setzen.
    Ich spüre heute wenig Einschränkungen, einige Bereiche an den Beinen, Händen und Füßen sind gefülsbeeinträchtigt, so fühlt sich ein Muskelkater z.b. ganz anders an als früher, ich spüre das brennen nicht, sondern nur Müdigkeit.
    Das Kribbeln in den Händen ist aber noch da.
    Ich hatte leider noch nie die Möglichkeit mich mit jemandem auszutauschen der die Krankheit auch hatte.
    Damals gab es sehr wenig wissen über GBS und Therapie, ich hoffe dass es heute bessere Erkenntnisse gibt, und dir bessser geholfen werden konnte.
    Mir geht es gut, und manchmal denke ich dass es vielleicht für Leute die akut erkrankt sind eine Hilfe wäre Leute sprechen zu können die das gut überstanden haben

    1. Hallo Jan,
      Danke für deinen Kommentar! Deine Erzählung kann ich gut nachvollziehen. Auch dein Arzt spricht wahre Worte. Mir wurde im Krankenhaus, als es mir schon wieder verhältnismäßig gut ging, häufig von den Pflegerinnen und Pflegern von anderen (allerdings deutlich älteren) Patienten berichtet, die selbst nach 2 Jahren im Krankenhaus kaum eine Besserung verzeichnen konnten. Solange man nach dieser Krankheit wieder am Leben teilnehmen kann und, wenn auch mit geringfügigen Einschränkungen, keine Probleme dabei hat, dann kann man wirklich von Glück sprechen und sich als geheilt bezeichnen.

      Liebe Grüße,
      Maarten

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Über mich

Maarten Hoffmeyer

Ich bin 19 Jahre alt, gehe in die 12. Klasse eines Gymnasiums und komme aus Osnabrück. Auf meinem Blog schreibe ich über vor allem Reisen, Dinge, die mich interessieren und über GBS, eine Krankheit, die ich hatte.

Zitat

»Jeder Tag könnte dein letzter sein – und wenn du irgendjemanden magst, sag es am besten gleich!«

– Cro